Abdichtung (Bauwerksabdichtung)
Die Bauwerksabdichtung umfasst alle Maßnahmen, um Gebäude gegen Feuchtigkeit und Wasser zu schützen. Je nach Lastfall (Bodenfeuchte oder drückendes Wasser) kommen verschiedene Systeme nach DIN 18533 zum Einsatz.
- Außenabdichtung (Schwarze Wanne)
- Innenabdichtung (Negativabdichtung)
- Horizontalabdichtung
- Arbeitsfugenabdichtung
- Abdichtungsbahnen (Bitumen/Kunststoff)
Abperleffekt & Hydrophobierung
Der Abperleffekt zeigt das Verhalten von Wasser auf einer hydrophobierten Oberfläche. Durch die Senkung der Oberflächenspannung perlen Tropfen ab (Kontaktwinkel > 90°), was den Baustoff vor kapillarer Wasseraufnahme schützt, während die Dampfdiffusion erhalten bleibt.
Acrylatgel (Injektionsgel)
Ein wasserquellbares Mehrkomponenten-System für die Gelschleierinjektion. Es ist im verarbeiteten Zustand wasserunlöslich und dichtet Bauteile durch physikalische Bindung des Wassers im Polymernetzwerk dauerhaft ab.
Alkali-Aggregat-Reaktion (ASR) / "Betonkrebs"
Chemische Reaktion zwischen alkalischer Porenlösung im Beton und reaktiven Gesteinskörnungen (Zuschlagstoffen). Dies führt zu Treiberscheinungen und Rissen, die die Statik gefährden können.
Ammonium & Bauschädliche Salze
Ammoniumsalze entstehen oft in fäkalienhaltigen Abwässern und gehören zusammen mit Chloriden, Sulfaten und Nitraten zu den primären Ursachen für Bauschäden durch Salzkristallisation.
B
Basisch / Alkalisch
Stoffe mit einem pH-Wert > 7. Beton ist natürlicherweise alkalisch (pH ca. 12,5), was den Bewehrungsstahl vor Korrosion schützt (Passivierung).
Bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP)
Dient als Verwendbarkeitsnachweis für Bauprodukte (z.B. Abdichtungen), die nach anerkannten Prüfverfahren beurteilt wurden und in der Bauregelliste geführt werden.
Bauschaum (Ortschaum)
Meist PU-Schaum zur Dämmung und Fixierung. Im Bereich der Bauwerksabdichtung nur bedingt als Abdichtungsmittel gegen drückendes Wasser geeignet.
Bauteilinjektion
Verfahren zur Rissabdichtung oder Verfestigung, bei dem der Abdichtungshorizont innerhalb des Bauteils liegt (im Gegensatz zur Schleierinjektion hinter dem Bauteil).
C
Calciumchlorid (Tausalzschäden)
Ein bauschädliches Salz, das oft durch Streusalz in den Beton gelangt. Calciumchlorid beschleunigt die Korrosion von Bewehrungsstahl massiv und führt zu gefährlichen Abplatzungen an Tiefgaragenstützen oder Kellerwänden.
Calciumhydroxid
Entsteht bei der Erhärtung von Zement (Hydratation). Es ist verantwortlich für das alkalische Milieu im Beton, welches den Stahl vor Rost schützt. Durch Karbonatisierung geht dieser Schutz über die Jahre verloren.
Carbonatisierung
Chemischer Vorgang, bei dem CO2 aus der Luft in den Beton eindringt und den pH-Wert senkt. Die Folge: Der natürliche Rostschutz des Stahls schwindet, was eine professionelle Betonsanierung erforderlich macht.
Chloridbelastung
Einer der kritischsten Bauschäden. Chloride (Salze) dringen gelöst in Wasser in das Bauteil ein und verursachen Lochfraßkorrosion am Stahl, oft ohne dass man es von außen sofort sieht.
D
Dampfbremse & Dampfsperre
Schichten, die das Eindringen von Wasserdampf in Bauteile verhindern oder begrenzen. In der Kellersanierung wichtig, um Kondensationsschäden hinter Innendämmungen zu vermeiden.
Dichtschlämme (mineralisch)
Zementgebundene Abdichtungsstoffe, die häufig bei der Kellerinnenabdichtung eingesetzt werden. Sie sind starr oder flexibel und bieten einen exzellenten Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit und drückendes Wasser.
DIN 18533 (ehemals DIN 18195)
Die wichtigste Norm für die Abdichtung von erdberührten Bauteilen. Sie regelt, wie Kellerwände und Bodenplatten gegen Bodenfeuchte und drückendes Wasser geschützt werden müssen.
Dränage / Drainage (DIN 4095)
System zur Ableitung von überschüssigem Sickerwasser. Eine fachgerechte Dränage nach DIN 4095 entlastet die Gebäudeabdichtung und verhindert das Aufstauen von Wasser an der Kellerwand.
Drückendes Wasser
Wasser, das einen ständigen hydrostatischen Druck auf die Abdichtung ausübt (z.B. Grundwasser oder langanhaltendes Stauwasser). Hier sind besonders hochwertige Abdichtungssysteme wie die schwarze Wanne oder KMB erforderlich.
E
Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)
Der gefährlichste Holzzerstörer in Gebäuden. Er kann Mauerwerk durchwachsen, um an Holzquellen zu gelangen. Bei Befall ist schnelles Handeln und eine fachgerechte Sanierung zwingend erforderlich, da die statische Sicherheit gefährdet wird.
Elektroosmose
Ein physikalisches Verfahren zur Mauerwerkstrockenlegung, bei dem durch schwache elektrische Felder die Feuchtigkeit zurück ins Erdreich wandern soll. Die Wirksamkeit ist in der Fachliteratur oft umstritten und hängt stark von den Gegebenheiten ab.
Estrich-Dämmschicht-Trocknung
Nach einem Wasserschaden muss oft nicht nur die Oberfläche, sondern die Dämmschicht unter dem Estrich getrocknet werden. Dies geschieht durch ein Über- oder Unterdruckverfahren, um Schimmelbildung unter dem Bodenbelag zu verhindern.
F
Feuchtigkeitsanalyse / Feuchtemessung
Grundlage jeder Sanierung. Wir messen die Materialfeuchte (CM-Messung oder dielektrisch), um festzustellen, ob es sich um kapillare Feuchtigkeit, Kondensat oder einen akuten Rohrbruch handelt.
Flankendiffusion
Feuchtigkeit, die seitlich an einer Abdichtung vorbeizieht. Oft ein Problem bei unvollständigen Horizontalabdichtungen oder falsch angeschlossenen Wand-Sohlen-Verbindungen.
Fogging (Vernebelung)
Ein Verfahren bei der Schimmelsanierung, bei dem Wirkstoffe fein vernebelt werden, um Schimmelsporen in der Raumluft und an schwer zugänglichen Stellen abzutöten.
G
Gelschleierinjektion (Schleierinjektion)
Ein hochmodernes Verfahren, bei dem Acrylatgel von innen durch die Wand nach außen gepresst wird. Dort bildet sich ein wasserundurchlässiger Gelschleier, der das Bauteil von außen abdichtet, ohne dass aufgegraben werden muss.
Grundwasser & HGW
Unterirdisches Wasser, das die Hohlräume im Boden ausfüllt. Der HGW (Höchster Grundwasserstand) ist entscheidend für die Planung der Abdichtung (z.B. Druckwasser-Belastung nach DIN 18533).
Gutachten (Schimmel & Feuchte)
Wissenschaftlich fundierte Dokumentation von Schäden. Ein Sanierungsgutachten hilft bei Rechtsstreitigkeiten oder der Klärung von Versicherungsfällen und bildet den Fahrplan für die Instandsetzung.
H
Haftzugfestigkeit
Ein Maß für die Verbindung zwischen einem Untergrund (z.B. Beton) und einer Beschichtung (z.B. Abdichtung). Eine hohe Haftzugfestigkeit ist entscheidend, damit die Abdichtung auch bei Wasserdruck nicht vom Mauerwerk abreißt.
Hinterläufigkeit
Ein gefürchtetes Problem bei Abdichtungen: Wenn Wasser hinter die Abdichtungsschicht gelangt (z.B. durch eine Fehlstelle am Abschluss), kann es das gesamte System wirkungslos machen. Abschlüsse müssen daher immer mechanisch oder chemisch gesichert werden.
Horizontalsperre (Nachträglich)
Eine Barriere gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Sie kann mechanisch (z.B. durch Edelstahlsperren) oder im Injektionsverfahren (chemisch) erstellt werden, um den kapillaren Aufstieg im Mauerwerk zu stoppen.
Hydrophobierung
Die Behandlung von Baustoffoberflächen mit wasserabweisenden Mitteln (z.B. Silanen). Das Material bleibt atmungsaktiv (diffusionsoffen), nimmt aber kein flüssiges Wasser mehr auf (Abperleffekt).
I
Injektionsverfahren
Verfahren, bei dem flüssige Harze, Gele oder Silikonemulsionen unter Druck (oder drucklos) in das Mauerwerk eingebracht werden. Ziel ist die Abdichtung von Rissen oder die Erstellung einer Horizontalsperre.
Innenabdichtung (Negativabdichtung)
Wenn eine Außenabdichtung nicht möglich ist (z.B. Grenzbebauung), erfolgt die Abdichtung von der Innenseite. Hier kommen spezielle Dichtschlämmen zum Einsatz, die dem Wasserdruck von hinten standhalten.
K
Kapillarität (Kapillarer Aufstieg)
Kellersanierung
Gesamtkonzept zur Trockenlegung und Nutzbarmachung von Kellerräumen. Dies umfasst oft die Kombination aus Abdichtung, Rissinjektion, Salzbehandlung und Spezialputzen.
KMB (Kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtung)
Ein pastöses Abdichtungsmaterial für die Außenwand. Es wird in mehreren Schichten aufgetragen und bildet nach der Trocknung eine hochflexible, wasserdichte Haut.
Kondensfeuchte
Feuchtigkeit, die entsteht, wenn warme, feuchte Luft auf kalte Kellerwände trifft. Oft die Ursache für Schimmel, der fälschlicherweise für ein Abdichtungsproblem gehalten wird.
L
Luftfeuchtigkeit (Relativ & Absolut)
Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Prozent des maximalen Wasserdampfgehalts die Luft bei der aktuellen Temperatur enthält. Im Bautenschutz ist sie entscheidend für das Risiko von Kondensationsfeuchte und Schimmelbildung.
Lüftungsverhalten
Ein falsches Lüftungsverhalten (z. B. Dauerkippen im Sommer) führt oft zu Feuchteschäden im Keller. Warme Außenluft kühlt an den Wänden ab und schlägt als Feuchtigkeit nieder (Sommerkondensation).
M
Mauertrockenlegung
Sammelbegriff für Verfahren zur Reduzierung der Mauerwerksfeuchte. Dies umfasst mechanische, chemische (Injektion) oder elektrophysikalische Methoden, um die Bausubstanz dauerhaft trocken zu halten.
Materialfeuchte
Der tatsächliche Wassergehalt in einem Baustoff, gemessen in Gewichtsprozent oder CM-Prozent. Die exakte Bestimmung ist die Basis für jeden Sanierungsplan der ABTEC Experten.
N
Negativabdichtung
Siehe Innenabdichtung. Die Abdichtung erfolgt auf der Seite, die dem Wasser abgewandt ist. Das Material muss hierbei die Haftung am Untergrund behalten, auch wenn von hinten Wasserdruck entsteht.
Nitrate (Mauer-Salpeter)
Bauschädliche Salze, die oft aus der Landwirtschaft oder durch defekte Abwasserleitungen ins Mauerwerk gelangen. Sie sind hygroskopisch (ziehen Wasser aus der Luft) und zerstören Putze und Steine.
P
Perimeterdämmung
Wärmedämmung an der Außenseite von erdberührten Bauteilen (Kellerwände). Sie muss druckfest und wasserbeständig sein und wird direkt auf die Außenabdichtung aufgebracht.
Porengefüge
Die Struktur der Hohlräume in einem Baustoff. Man unterscheidet zwischen Kapillarporen (leiten Wasser) und Luftporen (verhindern Frostschäden). Ein dichtes Porengefüge ist Ziel jeder Injektionsabdichtung.
Prüfbericht
Dokumentation der Wirksamkeit von Sanierungsstoffen. ABTEC verwendet ausschließlich Materialien, deren Qualität durch unabhängige Prüfberichte belegt ist.
R
Rissinjektion (Kraftschlüssig vs. Dehnfähig)
Verfahren zum Verschließen von Rissen im Beton oder Mauerwerk. Bei kraftschlüssigen Injektionen (Epoxidharz) wird die Statik wiederhergestellt. Dehnfähige Injektionen (Polyurethan/PUR) dichten wasserführende Risse dauerhaft elastisch ab.
S
Sanierputz (WTA)
Ein spezieller, hochporöser Putz nach WTA-Richtlinien. Er nimmt bauschädliche Salze in seinen Poren auf, ohne dass es zu Ausblühungen oder Abplatzungen an der Oberfläche kommt. Ideal für die Instandsetzung salzbelasteter Keller.
Schimmelpilzsanierung
Fachgerechte Entfernung von Schimmelbefall. Neben der oberflächlichen Reinigung umfasst eine professionelle Sanierung immer die Ursachenbehebung (z.B. Abdichtung oder Lüftungskonzept), um ein Wiederkehren zu verhindern.
Schwarze Wanne
Eine Abdichtungsart, bei der das Gebäude auf der Außenseite komplett mit bituminösen Stoffen (KMB oder Bitumenbahnen) umschlossen wird. Sie schützt das Bauwerk wie eine wasserdichte Hülle.
T
Tiefengrund / Grundierung
Dient der Verfestigung des Untergrundes und der Regulierung der Saugfähigkeit, bevor Abdichtungsmaterialien oder Putze aufgetragen werden. Eine gute Grundierung ist die Basis für die Langzeithaftung.
V
Verkieselung
Ein chemischer Prozess, bei dem ein flüssiges Verkieselungsmittel tief in das Mauerwerk eindringt und dort zu einer wasserunlöslich Sperrschicht auskristallisiert. Häufig angewandt zur Wand-Sohlen-Abdichtung.
W
Wand-Sohlen-Anschluss
Der kritische Bereich zwischen der Fundamentplatte und der aufgehenden Kellerwand. Hier entstehen besonders häufig Undichtigkeiten, die durch Hohlkehlen oder Injektionspackungen abgedichtet werden müssen.
Weiße Wanne (WU-Beton)
Eine Konstruktion aus wasserundurchlässigem Beton. Hier übernimmt das Bauteil selbst (Wände und Bodenplatte) die abdichtende Funktion. Dennoch können Risse oder Fehlstellen in den Arbeitsfugen eine nachträgliche Abdichtung erfordern.
Z
Z-Folie
Eine spezielle Abdichtungsbahn (meist aus PVC oder EPDM), die im Mauerwerk z-förmig eingelegt wird, um Feuchtigkeit nach außen abzuleiten. Oft bei zweischaligem Mauerwerk (Verblender) zu finden.
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